Ihr Körper bewegte sich von alleine im Rhythmus der Musik, während sie leise die Melodie der Lieder mitsummte. Gedankenverloren spielte sie mit ihrem Notenschlüssel-Anhänger, der an einer silbernen Kette um ihren Hals hing. Um Melody verschwand die Welt wie durch eine regennasse Fensterscheibe. Der Bass schien im Gleichgewicht ihres Herzens zu pochen, während die Band ihr Lieblingslied anstimmte und sich sich auf ihrem Gesicht ein strahlendes Lächeln ausbreitete. Heute war einer dieser Tage an denen alles möglich schien. Die Grenzen zwischen der Gesellschaft und den Gefühlen aufhörte zu existieren. Noch bevor der Refrain anstimmte spürte sie die ersten Regentropfen auf ihrer Haut. Ein paar Augenblicke später und der Regen hatte selbst die enthusiastischsten Besucher in die Festzelte getrieben. Doch die Band spielte weiter und Melody mochte sich keinesfalls in einem der stickigen Zelte verstecken, während der kühle Sommerregen auf den heissen Asphalt fiel. Ihre Arme wiegten im Gleichtakt der Musik, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan als im Regen zu tanzen, als wäre es das Einzige was sie kannte.
Wie durch einen Nebelschleicher konnte sie eine alte Frau sehen, die ihr seltsam vertraut vorkam. Um ihren Hals trug sie eine Kette mit einem kleinen silbernen Notenschlüssel. Ihre Blicke streiften einander und die Frau zwinkerte ihr verschmitzt zu, reichte ihr eine Hand und ehe sie es sich versah, schwangen sie gemeinsam über die Tanzfläche, auf der sich kleine Pfützen gebildet hatten, die bei jeder Berührung Wasser in alle Richtungen spritzen. Melodys lange Haare hingen ihr ins Gesicht und der Regen hatte ihr blaues Kleid schon völlig durchnässt. Sie lachte, sang die Strophen des Liedes aus tiefster Seele mit und breitete die Arme aus, als würde sie den Regen wie einen alten Freund begrüssen.
Die Band spielte immer weiter und weiter. Erst als das letzte Lied leise verstummte erwachte Melody wie aus einer Trance. Der Regen hatte aufgehört und am Himmel glitzerten funkelnde Sterne wie auf einem schwarzen Seidentuch. Sie blinzelte ein paar Mal und lächelte verträumt hinauf zum leuchtenden Sternenhimmel. Sie blickte sich suchend nach der alten Frau um, doch von ihr war keine Spur mehr zu sehen. Die Gäste, die sich zuvor in den Zelten versteckten, waren nun wieder fröhlich miteinander am Plaudern und schenkten ihr keine Beachtung. Aber Melody merkte, dass sich etwas in ihr verändert hatte. Der Knoten in ihrer Brust, der sie schon so lange begleitet hatte, hatte sich endlich gelöst. Sie hatte das Gefühl endlich wieder frei atmen zu können und die Leichtigkeit, die sie umfing gab ihr die Sicherheit, dass die Zukunft noch viele Überraschungen für sie bereithalten würde.
